ICO steht für „Initial Coin Offering“. Das Wording erinnert an „initial public offering“ (IPO). Bei letzterem werden Unternehmensanteile am Aktienmarkt platziert, die Anleger können zum Ausgabepreis der Aktie einsteigen und auf einen steigenden Aktienkurs wetten, wie man es auch beim Börsengang von delivery hero beobachten konnte. Wie sich der Aktienkurs und der Unternehmenswert längerfristig entwickelt, ist von diversen Faktoren und Unsicherheiten abhängig.

Bei einem „ICO“ können sogenannte „Token“ erworben werden. So einen Token kann man sich wie einen virtuellen Coupon vorstellen, der in der Regel als Gegenwert zu der Finanzierung eines Projektes oder einer Anwendung herausgegeben wird. Entscheidend ist: diese Projekte werden basierend auf Blockchain-Technologie entwickelt. Die krypto-Coins, die bei einem ICO verkauft werden, bilden in den meisten Fällen also den Gegenwert zu etwas, was noch garnicht existiert oder sich noch in der Entwicklung befindet. Sollte das Projekt erfolgreich werden, steigt auch der Marktwert des Tokens und kann zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend weiter verkauft werden. Doch können diese digitalen Geldschleusen auch halten, was sie versprechen?

An starken Visionen mangelt es nicht – so entsteht im schweizer Kanton Zug gerade ein Inkubator, der es mit dem Silicon Valley aufnehmen will.

In erstaunlich kurzer Zeit werden auch anderswo Millionenbeträge für Blockchain Projekte eingesammelt: smith & crown listet hier die laufenden und abgeschlossenen „Crowdsales“ auf. Der Vorteil für die Blockchain-Startups ist klar: Mit einem ICO können sie schnell und unabhängig von den klassischen Kapitalmärkten ihre Finanzierung organisieren. Was aber macht die Investoren so heiß auf diese virtuelle Wette? Das kann unterschiedlichste Gründe haben. Fakt ist, Investoren und Anleger suchen stets nach neuen Anlagemöglichkeiten, auch auf Märkten die gerade noch im Entstehen und noch nicht staatlich reguliert sind.

Ethereum bildet für etliche ICO´s die Grundlage. Die Plattform für dezentrale Anwendungen bietet sowohl Entwicklern als auch Anlegern einen direkten Einstieg in das Blockchain-Business. Die Smart Contracts für den Verkauf der projektzugehörigen Token werden über die Ethereum Blockchain erstellt. Positive und kritische Stimmen gehen aktuell weit auseinander. Auch EOS ist seit Sommer 2017 als Plattform für dezentralisierte Apps am Markt, die Entwickler versprechen mehr Tempo, Flexibilität und Energieeffizienz. Wir sind gespannt, welche Pferde noch aus dem Stall gelassen werden und wer das Rennen mittelfristig für sich entscheiden wird!

Wer hat vor einem ICO schonmal über diese Fragen nachgedacht?? Raise – your – hands – in – the – air!!

  1. An welchem Problem arbeiten die Gründer? Warum ist es wichtig, dieses Problem jetzt zu lösen?
  2. Welche Lösung entwickeln die Gründer? Kannst du die Lösung leicht in eigenen Worten beschreiben? Ist sie bereits live und anwendbar? Gibt es bereits andere Lösungen für dasselbe Problem?
  3. Warum ist Blockchain Technologie für dieses Projekt unsersetzbar? Welches Narrativ wird betont: Dezentrale Datenverarbeitung, unverfälschbare Datenübermittlung, macht das Geschäftsmodell Mittelsmänner überflüssig?
  4. Welches Team steht hinter dem Projekt? Welche Erfahrungen bringt jeder einzelne mit? Kann das Management die Lösung implementieren? Wie leidenschaftlich arbeiten sie an ihrem Projekt?
  5. Ist der Markt groß genug für exponentielles Wachstum? Wie groß ist das Marktsegment? Wie groß ist der Markt insgesamt? Wer sind die potentiellen Kunden? Warum werden die Kunden das Produkt nutzen? Welche Produkte nutzen die Kunden aktuell?
  6. Gibt es Wettbewerber? Was machen die anders? Wie unterscheiden sich die Technologien? Wie will das Team auf zukünftige Wettbewerber reagieren?
  7. Ist das Geschäftsmodell ausgereift? Wie sieht der Business Plan aus? Warum hat bisher kein anderer diese Opportunity genutzt? Wieviel Geld wollen die Gründer einsammeln? Wofür wollen sie es ausgeben? Wie schnell kommt die Lösung auf den Markt?
  8. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine kritische Masse das Produkt nutzen wird? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Anwendung Netzwerkeffekte erzeugen wird?
  9. Sind die erhofften Returns realistisch? Wann und in welcher Höhe wird sich das Investment voraussichtlich auszahlen? Sind die Incentives für mich attraktiv? Passt das zu meiner Planung?
  10. Wie transparent ist das Management? Gibt es eine aktuelle Projektdokumentation (bspw. ein Github und einen Slack channel)? Wie responsive ist das Team? Kann man die Anwendung bereits nutzen?
  11. Was erwerbe ich mit den Token? Kaufe ich Stimmrechte, Unternehmensanteile oder Rechenleistung?

Wer just for fun das schnelle Geld für einen Lamborghini haben will, sollte noch einmal in den Park gehen und dort nach Bäumen suchen, auf denen das Geld wächst. Emotionale Entscheidungen können schnell bestraft werden. Es lohnt sich also zu prüfen, ob das Bild auch ohne die „Fantasiebrille“ so rosig aussieht. Und: ob das Investment auch in das eigene Portfolio passt. Dazu gehören ja außer den schnellen Autos auch so langweilige Dinge wie Planung, Diversifizierung, Risikobewusstsein oder Zeitmanagement. Ganz zu schweigen von Fachwissen, Lernbereitschaft und dem verkraften von möglichen Verlusten.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit ICO´s? Jetzt in den Kommentaren teilen!

Editors note: Der Handel mit digitalen Assets wie Bitcoin oder Ether ist in höchstem Maß spekulativ und mit vielen Risiken verbunden. Dieser Artikel dient der Information und nicht einer Anlageberatung. Kommentare und Informationen auf xyarena mit Bezug zu Finanzprodukten- und Märkten reflektieren nicht zwingendermaßen die Meinung von xyarena und dienen nicht der Empfehlung oder dem Rat etwas zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Performance aus der Vergangenheit ist nicht unbedingt ein Indikator für zukünftige Ergebnisse.