Im Mai 2017 ging die Nachricht vom Erpressungstrojaner „Wannacry“ um die Welt, nachdem Datenbestände auf alten  Windowssystemen damit verschlüsselt wurden. Im Juni folgte ein weiterer Angriff mit der Schadsoftware „Petya“ der ähnlich ablief: in das System eindringen, Daten verschlüsseln, die Bedingungen der Erpressung auf den Endgeräten anzeigen und weitere Systeme befallen. Das erpresste Lösegeld für die Freigabe der Daten sollte mit Bitcoin bezahlt werden. Der Schaden, der durch die lahmgelegten Rechner entstand, war für etliche der betroffenen Unternehmen und Institutionen weitaus höher als die geforderte Lösegeldzahlung. Ging es den Hackern „um das Prinzip“?

Quartz hat jetzt die Zahlungsströme visualisiert, die direkt oder indirekt mit dem Bitcoin Wallet verknüpft sind, in welchem eine mit Petya erpresste Summe von ungefähr 10.000$ gesammelt wurde. Da die Wallets anonym erstellt werden können, ist es schwer die Besitzer der Wallets zu identifizieren – solange sie keine Fehler machen. Eine Vielzahl von Wallets kann also dafür genutzt werden, das Geld in kürzester Zeit beliebig weiter zu senden. Zu beobachten ist das fortlaufende Verteilen und Mischen von Beträgen, die immer weiter im Netzwerk zirkulieren können. Dabei gibt es eine Grundregel: aus jedem Wallet kann maximal das weiter gesendet werden, was auch zuvor hineingeflossen ist – diese Konsens Mechanik des gesamten Netzwerks wird durch den offenen Algorythmus der Blockchain ermöglicht. So wird mit jeder Transaktion sichergestellt, dass keine fiktiven Beträge in das System eingeschrieben werden. Das ist die Basis für das Vertrauen in die digitale Währung, sie funktioniert ohne eine Institution im Zentrum, ohne Mittelsmänner und auch, wenn sich alle Nutzer des Netzwerks grundsätzlich misstrauen würden. Die Plattform zeichnet sich durch radikale Neutralität aus: sie dient der Verifikation von Transaktionen. Ob legal oder illegal – diese Wertung wird nicht vorgenommen. Der Ausschluss einzelner Nutzer ist nicht vorgesehen, das Netzwerk ist offen für jeden, der Zugang zum Internet hat.

Wie geht es weiter?

Die Geschichte von Kryptowährungen ist sehr jung. Die Vielzahl von alternativen digitalen Währungen zeigt, dass Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Visionen die Grundprinzipien Offenheit, Dezentralität und Unabhängigkeit für verschiedene Anwendungen nutzbar machen wollen. Man sieht dass mit der Vision vom digitalen Geld bereits jetzt ganze Berge versetzt werden. Das wird auch zukünftig verschiedene Formen des Missbrauchs hervorrufen. Zugleich hat Blockchain-Technologie in kurzer Zeit die größte Research-Bewegung für Kryptographie hervorgebracht – Vertrauen in die Sicherheit wird weiterhin ein treibender Faktor für technische und gesellschaftliche Entwicklung sein. Diesen „Test“, der gezeigt hat dass selbst Ermittler die Transaktionen keinen einzelnen Personen zuordnen können, hat Bitcoin wohl vorerst bestanden.