Mit seiner jungen Geschichte könnte OpenBazaar schon bald zum nächsten großen Peer-to-Peer Marktplatz werden – denn zuletzt sind große Anbieter ausgeschieden: Silk Road wurde bereits 2013 deaktiviert. Und im Sommer 2017 wurden Alpha Bay und Hansa Market wegen illegaler Geschäfte von den ermittelnden Behörden abgeschaltet.

Was macht OpenBazaar anders, sodass auch renommierte Investoren an das Open Source Projekt glauben?

Zu Beginn suchte ein Entwickler Kollektiv um Amir Taaki nach einer Antwort auf das erzwungene Ende von Silkroad. Im April 2014 schrieben sie den Code für „DarkMarket“, ein Protokoll für E-Commerce Transaktionen, mit dem die Fehler von Silkroad nicht wiederholt werden sollten. Doch das war dem Entwickler Brian Hoffman nicht genug. Er rief OpenBazaar unter neuer MIT Lizenz ins Leben – das Protokoll läuft heute ohne Code-Elemente von DarkMarket. Seit Februar 2017 kann auch der TOR Browser integriert werden. Damit können die Händler ihre IP-Adressen verschleiern und ihre Anonymität noch besser schützen. Dass so auch Drogen- und Waffenhandel in den OpenBazaar einziehen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Hier drängen sich direkt ein paar Fragen auf:

  • Wozu brauchen wir einen freien Marktplatz, der nicht von einem Konzern sondern von den Nutzern selbst gesteuert wird?
  • Welche Intention haben die Macher und Investoren, wenn illegale Geschäfte mit der Handelssoftware nicht unterbunden werden können?
  • Ist die Plattform so dezentral organisiert, dass nur jeder einzelne Nutzer für seine persönlichen Geschäfte verantwortlich gemacht werden kann?

Die Vision vom dezentral organisierten Handel im Internet ist nicht neu. Dabei punkten die Peer-to-Peer Befürworter mit Argumenten zu Datenhoheit und Zensur. Auch OpenBazaar stellt explizit die Gefahren im zentralisierten Ecommerce in den Vordergrund und verweist auf konkrete Praktiken von Amazon, welche das Machtgefälle zwischen Konzernen und Verbrauchern verdeutlichen.

Demgegenüber steht das dezentral und unabhängig gedachte Handelskonzept, mit dem ein unregulierter Markt entstehen kann: Jeder kann die Software auf seinem Rechner installieren und direkt mit seinen Kunden oder Lieferanten in Kontakt treten. Mittelsmänner werden überflüssig und die Kundendaten werden auf keinem zentralen Server gespeichert. Jeder „Bazaarista“ soll frei entscheiden, was er kaufen oder verkaufen möchte. Ein utopisches oder dystopisches Modell? Darüber entscheidet dann jeder Nutzer selbst.

Das Prinzip von OpenBazaar: dezentral und unabhängig

Bisher ist unklar, wie die Gründer ihr Geld mit dem Marktplatz verdienen wollen, zumal sie damit werben, keine Gebühren von den Händlern zu kassieren. Doch sobald das Netzwerk genug Traction aufgenommen hat, sind hier klassische Erweiterungen denkbar: Ads, Premium Features für größere Händler, prominente Platzierung von Angeboten, bis hin zu Provisionen für den Umtausch von Papiergeldwährungen in Kryptogeld.

Fakt ist: Die älteste Kryptowährung Bitcoin braucht dringend Märkte, auf denen sie auch in legalen Transaktionen fließen kann. Bitcoin muss langfristig Stabilität entwickeln um zu überleben, und den großen Zukunftsvisionen standhalten. Ein ausgebauter und wachstumsfähiger Marktplatz wäre dafür ein „zentrales“ Puzzlestück.