Anstatt zu programmieren oder sich eine Auszeit zu gönnen, haben sich Peter Todd und Vitalik Buterin am Sonntag Nachmittag einen ordentlichen Schlagabtausch bei Twitter geliefert.

Worum geht es?

Vorneweg: Peter Todd ist renommierter Core Entwickler in der Bitcoin Community. Vitalik Buterin pusht das  Ethereum Projekt. In der Debatte geht es primär um potenzielle Sicherheitslücken in den Blockchain-Systemen der beiden Währungen und die Frage, wieviel Prävention für welche Szenarien notwendig ist. Beide Entwickler stellen die Systemfrage bereits aus unterschiedlichen Perspektiven. Für Peter Todd zählt eine Prämisse: Welches zugrundeliegende Regelwerk macht den Validierungsprozess der Transaktionsketten absolut sicher und unverfälschbar? Für Vitalik Buterin hingegen sind Tempo und Effizienz bei der Validierung entscheidend, schließlich sollen mit seinem Ethereum Netzwerk in Zukunft dezentral gesteuerte Applikationen ausgeführt werden.

Proof of Work vs. Proof of Stake

Beide Netzwerke müssen ihre Validierungsprozesse durchführen. Dafür stehen zwei Ansätze zur Debatte:

Der Proof-of-Work (PoW) soll sicherstellen, dass ein Dienstnutzer selbst eine Rechenleistung erbringen muss, bevor er den Dienst in Anspruch nimmt – eine Form von Benutzungsentgelt. Damit sollen Nutzer davon abgehalten werden, den Dienst missbräuchlich zu verwenden. Gleichzeitig verzögert diese Bearbeitung die Anfrage, da der Dienstnutzer zuerst eine Aufgabe lösen muss: Zu einer gegebenen Zeichenkette muss ein bestimmter Hash gefunden werden. Sobald dieser Hash gefunden wird, können die damit verknüpften Transaktionen im Bündel signiert werden. Der Hash dient gleichzeitig als unveränderliche Referenz für die darauf folgenden Transaktionen. Mit dem weltweiten Anstieg der Bitcoin-Transaktionen muss das Netzwerk Skalierungslösungen entwickeln. Die Abspaltung von Bitcoin Cash ist dabei nur ein Schritt von vielen.

Der Proof of Stake (PoS) beschleunigt den Validierungsprozess, indem die Lösung von einem zuvor ausgewählten Anbieter der Rechenleistung erarbeitet wird. Deshalb schlägt Buterin vor, das aktuelle PoW Protokoll ETHash durch das neue Protokoll Casper zu ersetzen. Mit Casper sollen zunächst 1% der Validierungssätze mittels Proof of Stake errechnet werden.

Die Systemfrage bleibt: Ist „Proof of Stake“ anfälliger für Hacker Angriffe als „Proof of Work“? Diese Frage ist alles andere als trivial und das lässt Peter Todd augenscheinlich keine Ruhe.

Die Debatte vom Sonntag – Eine Auswahl an Highlights:

 

  • Polarisierung 1:0 für Peter

 

  • Rhetorik 1:2 für Vitalik

 

  • Emotionalität 2:2 Unentschieden

 

  • Szenario- (oder Fantasie-) Entwicklung 2:1 für Peter

 

  • Optimismus 1:2 für Vitalik

  • Technisches know-how  (näher an der Wahrheit?): darüber müssen die Hacker da draußen urteilen!
Bottom Line
  • Sowohl Bitcoin als auch Ethereum werden auch zukünftig Updates entwickeln, um das Wachstum zu verkraften.
  • Ein direkter Einfluss dieser Diskussionen auf die Kurse darf bezweifelt werden. Erfolgreiche Hackerangriffe aber können Dynamiken an den Handelsplätzen auslösen.
  • Schön, dass es Twitter gibt. So können die klugen Köpfe die PR für ihre Visionen selbst in die Hand nehmen. Und der interessierte Leser kann mitverfolgen, mit welchen Problemen die Coder gerade kämpfen.
  • Obwohl dieses wechselseitige „Jobinterview“ zunächst gescheitert ist, besteht Potenzial, dass die rhetorische „Zusammenarbeit“ der beiden Programmierer ausgeweitet wird.
  • Sonntag ist nicht der beste Tag für ein Job Interview.